Gemüse-Lexikon

Rucola im Hochbeet: säen, schneiden, nachernten

Stephen 6 Min. Lesezeit

Rucola im Hochbeet ist die schnellste Kultur. Vier bis sechs Wochen nach der Aussaat schneidest du das erste Mal, und dieselbe Reihe treibt zwei- bis dreimal nach.

Zwei Dinge macht das Hochbeet dabei anders als das Gartenbeet: Die Erde ist wärmer, also keimt er schneller. Und sie ist nährstoffreicher, was bei Rucola ein echtes Thema ist.

Steckbrief

Merkmal Angabe
Art Salatrauke (einjährig) und Wilde Rauke (mehrjährig)
Aussaat März bis Anfang September, direkt ins Beet
Saattiefe 1 cm, Reihenabstand 15 bis 20 cm
Abstand in der Reihe 5 cm, später auf 8 bis 10 cm verziehen
Keimdauer 5 bis 8 Tage bei 10 bis 20 Grad
Standort sonnig im Frühjahr und Herbst, halbschattig im Hochsommer
Nährstoffbedarf Schwachzehrer
Erntereif Salatrauke nach 4 bis 6 Wochen, Wilde Rauke nach 8 bis 10
Gute Nachbarn Salat, Spinat, Möhre, Zwiebel, Erbse
Schlechte Nachbarn Kohl, Radieschen, Kresse, Senf
Winterhärte Wilde Rauke ja, Salatrauke nur unter Vlies

Die beiden Arten werden im Handel oft gleich genannt. Salatrauke ist mild und schnell, Wilde Rauke schärfer, schmalblättriger und mehrjährig.

Aussaat: flach, dicht, in Sätzen

Rucola wird direkt gesät. Vorziehen lohnt nicht, weil er die Wurzelstörung übel nimmt und danach schießt.

Zieh mit dem Finger oder einer Latte eine flache Rille von einem Zentimeter. Streu die Samen dünn aus, deck sie an und gieß mit der Brause.

Säe in Sätzen alle zwei bis drei Wochen, jeweils eine kurze Reihe. Eine ganze Beetbreite auf einmal liefert mehr Rucola, als eine Familie in vierzehn Tagen isst.

Das Zeitfenster im Hochbeet ist länger als im Freiland. Die wärmere Erde erlaubt den Start Anfang März und die letzte Aussaat Anfang September.

Rucola im Hochbeet: Hand streut feine Samen in eine flache Saatrille in dunkler Erde
Rucola im Hochbeet: Hand streut feine Samen in eine flache Saatrille in dunkler Erde

Pflege in der Saison

Rucola braucht wenig, aber das zuverlässig.

Wasser. Gleichmäßig feucht halten. Trockenheit ist der Hauptgrund, warum Blätter bitter und stark scharf werden.

Kein Dünger. Als Schwachzehrer kommt er mit dem aus, was im Beet steht. Zusätzlicher Stickstoff macht die Blätter groß, wässrig und nitratreich.

Verziehen. Bei dichter Saat auf 8 bis 10 Zentimeter ausdünnen. Die gezogenen Pflänzchen kommen aufs Brot.

Schatten im Hochsommer. Zwischen Juni und August stellst du ihn hinter Tomaten oder Stangenbohnen. Volle Mittagssonne bei über 25 Grad treibt ihn in die Blüte.

Schießt er trotzdem, ist das kein Verlust. Die Blüten sind essbar, schmecken nussig und ziehen Schwebfliegen an.

Der Nitrat-Punkt im frischen Hochbeet

Rucola gehört zu den Arten, die viel Nitrat einlagern. Zwei Bedingungen verstärken das: wenig Licht und viel Stickstoff im Boden.

Ein frisch befülltes Hochbeet liefert im ersten und zweiten Jahr genau diesen Überschuss. Rucola steht darin deshalb besser ab dem dritten Standjahr, wenn das Beet abgemagert ist.

Wer früher säen will, hält sich an drei Punkte:

  1. Nachmittags ernten. Über den Tag baut die Pflanze im Licht Nitrat ab.
  2. Nicht bei trübem Wetter schneiden. Nach mehreren grauen Tagen liegt der Gehalt höher.
  3. Stiele stehen lassen. Der Hauptteil sitzt in Stiel und Blattrippe, nicht in der Blattspreite.

Hintergründe zu Nitrat im Gemüse sammelt das Bundeszentrum für Ernährung. Wie die Nährstoffe im Beet über die Jahre abnehmen, steht im Beitrag zum Hochbeet befüllen.

Ernten und nachtreiben lassen

Geerntet wird nach Blattgröße, nicht nach Kalender. Sobald die Blätter handlang sind, kannst du schneiden.

Setz die Schere drei bis vier Zentimeter über dem Boden an und lass das Herz stehen. Aus dem Rest treibt die Pflanze nach, zwei- bis dreimal.

Einzelne Blätter zu zupfen funktioniert auch und streckt die Ernte. Der Schnitt ist schneller, wenn du die Reihe ohnehin neu belegen willst.

Ab der Blüte werden die Blätter zäh und sehr scharf. Dann räumst du die Reihe ab und säst neu.

Schere schneidet Rucolablätter dicht über dem Boden ab, das Herz der Pflanze bleibt stehen
Schere schneidet Rucolablätter dicht über dem Boden ab, das Herz der Pflanze bleibt stehen

Zwei Fehler, die fast alle machen

Zu warm gesät. Eine Aussaat Ende Juni bei 28 Grad keimt zwar, schießt aber nach drei Wochen in die Blüte. Die Wärme im Hochbeet verstärkt das. Setz die Sommersätze in den Halbschatten oder lass Juli und August ganz aus.

Nach Kohl oder Radieschen gesät. Rucola ist ein Kreuzblütler wie beide. Die Erdflöhe, die im Radieschenbeet sitzen, wandern direkt weiter und sieben die jungen Blätter voller Löcher.

Gegen Erdflöhe hilft im Hochbeet zweierlei: die Erde oberflächlich feucht halten und ein Kulturschutznetz direkt nach der Aussaat auflegen. Beide Käferarten mögen es trocken und warm.

Nachbarn im Beet

Rucola ist ein guter Lückenfüller, weil er schnell fertig ist und flach wurzelt.

Nachbar Passt Grund
Pflücksalat, Spinat ja gleicher Wasserbedarf, gleiche Wurzeltiefe
Möhre, Zwiebel ja wurzeln tiefer, keine Konkurrenz
Erbse, Buschbohne ja liefern Stickstoff nach der Ernte
Tomate, Stangenbohne ja spenden im Sommer Schatten
Kohl, Radieschen, Kresse nein derselbe Schädlings- und Krankheitsdruck

Halte bei der Fruchtfolge zwei bis drei Jahre Abstand zwischen Kreuzblütlern auf derselben Fläche. Im Hochbeet ist das leicht zu vergessen, weil die Fläche klein ist und schnell neu belegt wird.

Die vollständige Nachbarschaftsübersicht steht in der Mischkultur im Hochbeet.

Rucola im Herbst und Winter

Die Aussaat Anfang September ist die lohnendste des Jahres. Kühle Nächte machen die Blätter mild, und Erdflöhe sind kaum noch unterwegs.

Wilde Rauke übersteht den Winter im Hochbeet ohne Schutz und treibt im März durch. Salatrauke hält bis etwa minus fünf Grad, unter einem Vlies auch länger.

Zusammen mit Feldsalat im Hochbeet deckt Rucola das späte Beet ab. Welche Kulturen im Herbst sonst noch starten, steht im Beitrag zum Hochbeet im Herbst bepflanzen. Weitere Kulturen findest du im Gemüse-Lexikon.

Häufig gestellte Fragen

Wann kann ich Rucola pflanzen oder säen?

Von März bis Anfang September, im Hochbeet eher etwas früher als im Freiland. Die besten Sätze sind der im Frühjahr und der Anfang September, weil die Blätter dann mild bleiben.

Warum schmeckt mein Rucola so scharf?

Meist wegen Trockenheit oder Hitze. Beides treibt den Senfölgehalt hoch. Gleichmäßiges Gießen und ein Platz im Halbschatten während der Sommermonate mildern den Geschmack.

Wie oft kann ich Rucola schneiden?

Zwei- bis dreimal, wenn du drei bis vier Zentimeter über dem Boden schneidest und das Herz stehen lässt. Danach lässt die Blattqualität nach, und eine Neuaussaat lohnt mehr.

Ist Rucola winterhart im Hochbeet?

Die Wilde Rauke ja, sie treibt im Frühjahr wieder aus. Die einjährige Salatrauke hält leichten Frost aus und braucht ab etwa minus fünf Grad ein Vlies.

Warum hat mein Rucola viele kleine Löcher in den Blättern?

Das sind Erdflöhe. Sie treten bei trockener Wärme auf, besonders nach Radieschen oder Kohl auf derselben Fläche. Feuchte Oberfläche und ein Kulturschutznetz direkt nach der Aussaat sind die wirksamste Antwort.

Das passt dazu

Erdflöhe sind selten allein: Ameisen im Hochbeet.

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