Pflege & Probleme

Ameisen im Hochbeet: wann sie schaden und was hilft

Stephen 6 Min. Lesezeit

Ameisen im Hochbeet fressen deine Pflanzen nicht an. Sie werden erst dann zum Problem, wenn ihr Nest den Wurzelraum durchlöchert und die Erde darin austrocknet.

Zwei Fragen entscheiden, ob du etwas tun musst. Sitzt das Nest mitten im Wurzelbereich? Und sitzen Blattläuse auf den Pflanzen darüber? Beides siehst du in fünf Minuten.

Woran du ein Nest im Hochbeet erkennst

Die Hinweise sind fein. Wer nur auf große Hügel achtet, übersieht sie.

  • lose Erdkrümel, die zwischen den Pflanzen wie feiner Sand aufgeworfen liegen
  • eine Ameisenstraße, die immer dieselbe Kante des Beetrands entlangläuft
  • Pflanzen, die trotz Gießens welken und sich leicht aus der Erde ziehen lassen
  • weiße Eipakete direkt unter der Oberfläche, wenn du die Erde anhebst

Der Welketest ist der wichtigste davon. Ziehst du einen Salat heraus und hängen die Wurzeln in einem hohlen Gangsystem, dann bekommt die Pflanze schlicht keinen Bodenkontakt mehr.

Ameisen im Hochbeet: aufgeworfener heller Erdhügel mit münzgroßem Nesteingang zwischen jungen Salatpflanzen
Ameisen im Hochbeet: aufgeworfener heller Erdhügel mit münzgroßem Nesteingang zwischen jungen Salatpflanzen

Ameisen oder etwas anderes?

Vier Beobachtungen im Hochbeet sehen sich ähnlich und brauchen völlig verschiedene Antworten.

Merkmal Ameisen Verwechselbar mit
feine Erdkrümel an der Oberfläche Aushub aus den Gängen, krümelig und trocken Regenwurmkot: dunkel, feucht, geringelt
Pflanze welkt und wackelt hohle Gänge unter dem Wurzelballen Engerlinge: Wurzeln sind abgefressen
Loch im Beet, Erde beiseitegeschoben Nesteingang, meist münzgroß Wühlmaus: faustgroß, Gänge waagerecht
viele kleine Insekten fliegen auf geflügelte Ameisen beim Hochzeitsflug im Sommer Trauermücken: schwarz, taumelnd, das ganze Jahr

Grabe im Zweifel mit der Handschaufel nach. Findest du weiße, ovale Pakete, ist es ein Ameisennest. Findest du gekrümmte weiße Larven mit braunem Kopf, geht es um etwas anderes.

Was Ameisen wirklich anrichten

Der Schaden ist indirekt, und genau deshalb unterschätzen ihn viele.

Trockene Wurzeln. Die Gänge belüften die Erde stark. In einem Hochbeet, das ohnehin schneller abtrocknet als der Gartenboden, kippt der Wasserhaushalt dadurch an heißen Tagen.

Blattläuse, die bleiben. Ameisen melken Blattläuse und verteidigen sie gegen Marienkäfer und Schwebfliegenlarven. Wo Ameisen patrouillieren, hält sich eine Blattlauskolonie deutlich länger.

Umgeworfene Sämlinge. Frisch gekeimte Reihen kippen um, wenn darunter gegraben wird. Bei kräftigen Pflanzen passiert das nicht mehr.

Nicht auf der Liste steht Wurzelfraß. Die bei uns häufige Schwarze Wegameise frisst Honigtau, Samen und tote Insekten, keine lebenden Wurzeln.

Sofortmaßnahmen, nach Aufwand gestaffelt

Fang oben an. Die meisten Nester verschwinden, bevor Stufe drei nötig wird.

  1. Durchdringend wässern. Ameisen bauen in trockener, warmer Erde. Zwei bis drei kräftige Wassergaben im Abstand von wenigen Tagen machen die Stelle unattraktiv, und die Kolonie zieht meist von selbst weiter.
  2. Nest stören. Fahre mit der Handhacke flach durch den Nestbereich, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Störung plus Nässe wirkt besser als jedes Hausmittel.
  3. Blattläuse abspülen. Solange die Läuse sitzen, kommen die Ameisen zurück. Ein harter Wasserstrahl an der Triebspitze reicht für den Anfang.
  4. Umsiedeln. Bleibt das Nest, setzt du es um. Das steht im nächsten Abschnitt.

Was du dir sparen kannst: Backpulver, Essig und kochendes Wasser. Backpulver tötet die Tiere qualvoll und löst das Nest nicht auf. Essig versalzt dir punktuell die Erde. Kochendes Wasser brüht auch die Wurzeln der Nachbarpflanzen.

Ameisengift gehört ohnehin nicht in ein Beet, aus dem du Salat erntest.

Das Nest umsiedeln statt töten

Die Umsiedlung ist die einzige Methode, die zuverlässig wirkt und niemandem schadet.

Du stülpst einen Tontopf mit Holzwolle über den Nesteingang und wartest zwei bis drei Tage. Die Kolonie trägt ihre Brut in den warmen, trockenen Topf. Dann schiebst du eine Schaufel darunter, hebst den Topf samt Inhalt ab und setzt ihn mindestens dreißig Meter entfernt wieder ab.

Weniger Abstand bedeutet, dass die Tiere zurückfinden. Mehr schadet nicht.

Tontopf mit Holzwolle als Umsiedlungsquartier auf der Erde eines Hochbeets, daneben eine Handschaufel
Tontopf mit Holzwolle als Umsiedlungsquartier auf der Erde eines Hochbeets, daneben eine Handschaufel

Wichtig ist der Artenschutz: Die Rote Waldameise mit ihren großen Nadelhügeln steht unter besonderem Schutz, ihre Nester darfst du weder zerstören noch umsetzen. Im Hochbeet siedelt sie praktisch nie. Wer sich unsicher ist, findet die Bestimmungshilfen beim NABU.

Vorbeugen für die nächste Saison

Ein Hochbeet ist für Ameisen ein guter Bauplatz: locker, warm, erhöht, gut entwässert. Ganz verhindern kannst du sie nicht. Du kannst es ihnen unbequem machen.

Maßnahme Wirkung Aufwand
gleichmäßig feucht halten, lieber selten und durchdringend hoch, der wirksamste Punkt überhaupt gering
Oberfläche mulchen (Rasenschnitt, Stroh) hoch, hält die obersten Zentimeter feucht gering
Blattläuse früh abspülen oder abstreifen hoch, nimmt den Anreiz mittel
Lavendel, Thymian oder Zitronenmelisse an die Ecken mäßig, verschiebt die Straßen eher als das Nest gering
Erde im Herbst auffüllen und andrücken mäßig, schließt alte Gangsysteme mittel

Der Mulch leistet noch etwas anderes. Er bremst die Verdunstung, und genau darüber läuft der ganze Konflikt. Wie du die Erde langfristig aufbaust, steht im Beitrag zum Hochbeet befüllen.

Wann du nichts tun musst

Ein paar Dutzend Ameisen auf dem Beetrand sind kein Befall.

Ameisen lockern den Boden, tragen Samen ein und räumen tote Insekten weg. Sie sind ein normaler Teil der Bodenfauna, ähnlich wie die Engerlinge des Rosenkäfers. Solange die Pflanzen fest stehen und keine Blattlauskolonie wächst, machst du am besten nichts.

Handeln lohnt sich bei drei Zeichen: wackelnde Pflanzen, welkende Reihen trotz Wassergabe und klebrige Blätter durch Honigtau. Weitere Beiträge dazu findest du unter Pflege & Probleme.

Häufig gestellte Fragen

Fressen Ameisen im Hochbeet meine Pflanzen?

Nein. Die Schwarze Wegameise lebt von Honigtau, Samen und toten Insekten. Der Schaden entsteht durch die Gänge im Wurzelraum und durch die Blattläuse, die sie beschützt.

Wie werde ich Ameisen im Hochbeet wieder los?

Erst kräftig wässern, dann den Nestbereich zwei Tage hintereinander flach durchhacken. Bleibt die Kolonie, siedelst du sie mit dem Tontopf um. Mindestens dreißig Meter weit, sonst kommt sie zurück.

Hilft Backpulver gegen Ameisen?

Nein, und es ist zusätzlich tierquälerisch. Das Mittel tötet einzelne Tiere, die Königin sitzt unerreichbar tief. Nach wenigen Wochen steht die Kolonie wieder da.

Warum kommen die Ameisen immer wieder?

Meist wegen der Blattläuse. Solange sie Honigtau liefern, lohnt sich der Weg. Prüfe die Triebspitzen von Bohnen, Kohl und Beerensträuchern, bevor du wieder am Nest arbeitest.

Sind Ameisen im Hochbeet ein Zeichen für schlechte Erde?

Nein, eher für trockene Erde. Sie zeigen an, dass die oberen Schichten zu schnell abtrocknen. Mulchen und seltener, dafür durchdringender gießen ändert das. Welche Pflanzen sich dabei gegenseitig beschatten, steht in der Übersicht zur Mischkultur im Hochbeet.

Das passt dazu

Ameisen melden oft einen zweiten Befall: Rucola im Hochbeet.