Pflege & Probleme

Mehltau im Hochbeet: echter und falscher unterscheiden

Stephen 6 Min. Lesezeit

Ein weißer Belag auf den Blättern ist nicht gleich ein weißer Belag. Hinter dem Wort Mehltau stecken zwei verschiedene Krankheiten, und sie brauchen entgegengesetzte Maßnahmen.

Die Unterscheidung dauert zehn Sekunden. Streich mit dem Finger über die Stelle. Geht der Belag ab und bleibt ein grünes Blatt zurück, ist es der Echte. Bleibt der Fleck und sitzt er auf der Blattunterseite, ist es der Falsche.

Echter Mehltau: der Belag liegt oben auf

Der Echte Mehltau sitzt als mehlartiger Überzug auf der Blattoberseite. Er lässt sich abwischen, weil die Pilzsporen außen auf der Blattoberfläche liegen und nicht in das Gewebe eindringen.

Sein wichtigstes Merkmal überrascht viele: Er braucht keine Feuchtigkeit. Anders als fast alle Pilze keimt er bei trockener, warmer Witterung am besten. Ein Hochbeet ist dafür der beste Ort, weil die Erde dort schneller abtrocknet und die Luft zwischen den Pflanzen wärmer steht als im Gartenbeet.

Betroffen sind vor allem Zucchini, Gurken, Kürbis und Rosen. Die Blätter bekommen zuerst helle Flecken, dann einen pudrigen weißen Film. Später rollen sie sich ein und vertrocknen.

Falscher Mehltau: der Belag sitzt unten

Der Falsche Mehltau erscheint als grau-violetter bis bräunlicher Belag auf der Blattunterseite. Er lässt sich nicht abwischen, weil der Pilz durch die Blattfläche hindurchwächst.

Auf der Oberseite siehst du nur gelbe, eckige Flecken, die zwischen den Blattadern bleiben. Dieses eckige Muster ist der zweite sichere Hinweis.

Diese Art braucht das Gegenteil des Echten: anhaltende Nässe auf dem Blatt. Sie tritt nach langen Regenphasen auf, bei dicht stehenden Pflanzen und wenn du abends über das Laub gießt.

Falscher Mehltau: Blattunterseite einer Gurkenpflanze mit grau-violettem Belag, daneben ein gesundes Blatt zum Vergleich
Blattunterseite einer Gurkenpflanze mit grau-violettem Belag, daneben ein gesundes Blatt zum Vergleich

Die beiden verwechseln

Die folgende Tabelle ordnet die vier Beobachtungen, die im Beet am häufigsten durcheinandergehen.

Merkmal Echter Mehltau Falscher Mehltau
Belag sitzt Blattoberseite Blattunterseite
Belag abwischbar ja, mehlartig nein, festgewachsen
Blattoberseite weißer Film gelbe, eckige Flecken
Witterung trocken und warm nass und kühl
Erste Opfer Zucchini, Gurke, Rose Kohl, Salat, Spinat
Ausbreitung langsam über Wochen schnell, oft in Tagen

Ein dritter Kandidat wird ebenfalls oft mitgemeint: der Grauschimmel. Er sitzt auf abgestorbenem Gewebe, ist grau und fusselig und tritt fast nur an Verletzungen oder an überdüngten, weichen Trieben auf.

Was du sofort tun kannst

Beim Echten Mehltau gilt: Luft und Trockenheit sind dein Verbündeter, nicht dein Gegner. Beim Falschen ist es genau umgekehrt. Deshalb zuerst bestimmen, dann handeln.

Beim Echten Mehltau:

  1. Befallene Blätter abschneiden. Nicht abreißen, sondern mit der Schere abschneiden und in den Restmüll geben, nicht auf den Kompost. Die Sporen überleben dort.
  2. Ausdünnen. Nimm die unteren Blätter weg, damit Luft durch die Reihe streicht. Bei Zucchini reicht es oft, zwei bis drei Blätter pro Pflanze zu entfernen.
  3. Morgens gießen. Nur auf die Erde, nie über das Laub. Am Abend bleibt das Wasser sonst bis zum Morgen stehen.
  4. Milchmischung als Hausmittel. Ein Teil Vollmilch auf acht Teile Wasser, alle zwei bis drei Tage auf die befallenen Blätter. Das ist kein Pflanzenschutzmittel, sondern eine Oberflächenbehandlung, und sie wirkt nur bei trockener Witterung.

Beim Falschen Mehltau:

  1. Sofort das Gießen umstellen. Nicht mehr über das Laub, nur noch an den Fuß der Pflanze.
  2. Befallene Blätter entfernen und ebenfalls in den Restmüll geben.
  3. Pflanzenabstand vergrößern, wo es noch geht. Feuchte Luft zwischen dicht stehenden Blättern ist der eigentliche Motor.
  4. Nicht düngen. Stickstoff macht die Blätter weich und angreifbar.

Was du in beiden Fällen vergessen kannst: Backpulver, Essig und Spülmittel. Eine erfundene Dosierung schadet dem Beet mehr als dem Pilz. Wer zu einem zugelassenen Mittel greifen will, fragt im Fachhandel nach einem Präparat für die jeweilige Kultur und liest die Anwendungshinweise auf dem Etikett.

Vorbeugen im Hochbeet

Im Hochbeet liegt der Vorteil darin, dass du die Erde austauschen und die Fläche neu belegen kannst. Drei Maßnahmen greifen am stärksten.

Maßnahme Wirkung Aufwand
morgens an den Fuß gießen, nie über das Laub hoch, nimmt beiden Arten die Grundlage gering
Reihen nicht dichter als 40 cm, Blätter ausdünnen hoch, trocknet die Luft zwischen den Pflanzen gering
Mulchschicht auf der Erde hoch, hält die Oberfläche gleichmäßig feucht gering
nachts abdecken bei kühler, feuchter Witterung mäßig, senkt die Blattnässe mittel
zwei Jahre Pause mit derselben Kultur mäßig, bricht den Sporenkreislauf mittel

Der Mulch hilft hier doppelt. Er hält die Feuchtigkeit im Boden und verhindert, dass beim Gießen Erde auf die Blätter spritzt. Genau dieser Spritzer trägt die Sporen des Falschen Mehltaus nach oben.

Mehltau vorbeugen: Zucchinipflanzen im Hochbeet mit ausgedünnten unteren Blättern, die Erde zwischen den Reihen mit Stroh gemulcht, saubere Luftführung bis zum Boden sichtbar
Zucchinipflanzen im Hochbeet mit ausgedünnten unteren Blättern, die Erde zwischen den Reihen mit Stroh gemulcht, saubere Luftführung bis zum Boden sichtbar

Wer die Erde im Beet über Jahre aufbaut, hat es leichter. Wie die Schichten liegen und wann du sie auffüllst, steht im Beitrag zum Hochbeet befüllen.

Wann du nichts mehr retten kannst

Bei starkem Befall an Gurke, Zucchini oder Kürbis lohnt das Kämpfen oft nicht mehr. Wenn mehr als die Hälfte der Blätter befallen ist und die Triebspitzen austrocknen, wächst nichts mehr nach.

Dann ist der schnellere Weg der bessere: Pflanze raus, Erde im Umkreis von zwei Handbreit austauschen, und im nächsten Jahr an dieser Stelle etwas anderes setzen. Welche Kulturen sich gut ablösen, steht in der Mischkultur im Hochbeet.

Wichtig ist die Fruchtfolge. Gurken, Zucchini und Kürbis gehören alle zu den Kürbisgewächsen und teilen sich denselben Pilzstamm. Zwei Jahre Abstand auf derselben Fläche reichen, damit die Sporen im Boden absterben.

Weitere Beiträge zu Krankheiten und Schädlingen findest du unter Pflege & Probleme.

Häufig gestellte Fragen

Was hilft am schnellsten gegen Mehltau im Hochbeet?

Befallene Blätter abschneiden, die Pflanzen ausdünnen und morgens nur an den Fuß gießen. Diese drei Schritte bremsen beide Arten. Zusätzliche Mittel wirken langsamer, wenn die Luftfeuchte im Beet nicht stimmt.

Kann ich befallene Blätter auf den Kompost geben?

Nein. Die Sporen überleben den normalen Komposthaufen und kommen mit der nächsten Erde zurück ins Beet. Befallenes Material gehört in den Restmüll.

Ist Mehltau gefährlich für mich?

Nein. Der Pilz befällt nur Pflanzen und geht nicht auf den Menschen über. Du kannst befallenes Gemüse ernten und essen, solange die Frucht selbst gesund ist.

Warum habe ich jedes Jahr wieder Mehltau?

Meist steht dieselbe Kultur an derselben Stelle. Die Sporen liegen im Boden und im alten Pflanzenrest. Ein Wechsel über zwei Jahre bricht den Kreislauf wirksamer als jedes Mittel.

Hilft Milch gegen Mehltau?

Bei Echtem Mehltau und trockener Witterung kann eine Mischung aus einem Teil Vollmilch und acht Teilen Wasser den Belag zurückdrängen. Bei Falschem Mehltau hilft sie nicht, weil dort die Nässe das Problem ist und nicht der fehlende Belag.

Fachliche Grundlage

Zur Unterscheidung der beiden Mehltauarten gibt es Hintergrundwissen beim Julius Kühn-Institut.